Mit „Herzblut“ schreiben – oder Schreiben, um Geld zu verdienen

Muss ich mich als AutorIn entscheiden?

Heute ist unter meinem Pseudonym Sara-Maria Lukas ein neuer Erotikroman von mir erschienen. Tage wie diese sind die Highlights im Leben eines Schriftstellers.

Ich hätte ja auch Lust, zu schreiben, aber mich danach zu richten, was sich gut verkauft …. nee, da müsste ich mich zu sehr verbiegen“, sagte gestern eine Bekannte, als ich erzählte, dass heute mein neues Buch erscheint.
Diese oder ähnliche Aussagen höre ich oft, und dann denke ich darüber nach, was ich eigentlich mache?

Ich schreibe, um davon zu leben. Ganz klare Prämisse. Ich habe das Schreiben zu meinem Hauptberuf gewählt, also muss es Geld einbringen, und ich will, dass viele LeserInnen Spaß an den Geschichten haben. Erotik ist ein Genre, dass sich gut verkauft. Das nutze ich. Ich schreibe aber auch mit großer Leidenschaft und „Herzblut“. Ist das Oder in der Überschrift überhaupt berechtigt?

Um ein Buch zu schreiben, brauche ich eine Idee. Eine gute Idee für einen Roman ist in der Regel ein Konflikt, der im Laufe des Buches aufgelöst wird. Dieser Konflikt kann innerhalb einer lustigen Geschichte oder innerhalb einer spannenden Geschichte zum Thema werden. Ich konstruiere einen Plot und ich schreibe die Geschichte für LeserInnen, damit sie sich amüsieren oder gespannt mitfiebern können. Dieses ist dann wohl Mainstream … Profanes Schreiben, um Geld zu verdienen. Oder?

Muss ich entscheiden, ob das Thema meiner Geschichte wichtig genug ist, um wertvolle Literatur zu schreiben, die sich für den sogenannten Mainstream nicht eignet? Die nur Leute verstehen, die „schlauer“ sind als andere?Wird ein Thema, über das ich amüsant oder spannend schreiben, damit viele LeserInnen Lust haben, darüber zu lesen, zwangsläufig zu banaler Massenware?

Nein. Ich denke, wie wichtig oder gesellschaftsverändert ein Buch wird, hängt davon ab, wie einfühlsam ein Autor beobachtet, wie genau er die Menschen hinter den Konflikten sieht, wie interessant oder lustig oder spannend er formulieren kann, damit die Menschen seine Geschichte lesen wollen, in den Plot einsteigen, mitleiden, mitfiebern, mitkämpfen.

Entscheidend ist nicht die Frage, wie viele Menschen ein Buch toll finden, sondern ob der Konflikt hinter der Geschichte echt und relevant ist.

Entscheiden, ob Bücher wichtig sind, können nur LeserInnen, nie die AutorInnen.

Sabine Bruns