Kritik oder kritisches Feedback?

So wird die Rezension wertvoll

Ein Beitrag von Sabine Bruns (Foto Canva.com)

Kritik wird von uns fast immer negativ aufgenommen. Wir möchten nicht kritisiert, sondern gelobt werden.
Blogger*innen bekommen Bücher von Autor*innen und sollen eine Rezension schreiben.
Auch hier wünschen sich die Autor*innen keine Kritik, sondern Lob, und das bringt Blogger*innen häufig in Bedrängnis, denn sie wollen und sollen ja ein ehrliches Urteil abgeben.

Grundsätzlich sollte jeder, der andere um ihre Meinung fragt, ehrliche Antworten erhalten.
Ein konkretes sorgfältig durchdachtes und begründetes Feedback zeigt Respekt und Wertschätzung.
Unehrliches Lob um des lieben Friedens willen ist eine Beleidigung. Es sagt: Mir ist egal, ob es gut ist, Hauptsache, ich kriege keinen Ärger mit dir.
Eine Autor*in hat keine Chance, besser zu werden, wenn er/ sie nur höfliches, aber nichtssagendes Lob zu hören bekommt.

Auch dient es einer Autor*in eines Buches nicht, wenn Leser*innen es aufgrund von viel Lob in den Rezensionen kaufen, aber dann feststellen, dass es Mängel hat und man anscheinend auf Gefälligkeitsrezensionen hereingefallen ist. Es bleibt ein schaler Beigeschmack, der beim nächsten Kaufentscheid abschreckend wirkt.

Ob eine Kritik traurig und wütend macht, oder vom Empfänger als wertvolles Feedback wahrgenommen werden kann, hängt vor allem von zwei Faktoren ab:

  • der Wortwahl
  • dem inhaltlichen Wert

Ein wichtiger Punkt ist dabei die Betonung der Subjektivität.

Jeder Mensch hat einen anderen Geschmack und jeder Mensch urteilt subjektiv. Ein objektives Gut oder schlecht gibt es nicht.

Beispiele:
Ein Autor fragt: «Wie gefällt Euch mein neues Cover?»

Wertlose Antworten wären beispielsweise:
«Ganz gut.»
«Mir gefällt es nicht.»
«Viel zu dunkel.»
«Langweilig.»

Nützliche Antworten wären beispielsweise:
«Es macht mich neugierig. Ich will den Klappentext lesen.»
«Diese Farben wirken auf mich eher abstoßend, ich würde es nicht in die Hand nehmen, wenn es in der Buchhandlung vor mir liegt.»
«Dieses Muster wirkt auf mich sehr verspielt. Ich erwarte einen leichten Sommerroman.»
«Ich empfinde die Schrift als kitschig. Als ich das Cover sah, dachte ich unwillkürlich an Heftromane.»
«Das Cover wirkt auf mich sehr düster, ich erwarte einen spannenden Thriller. Ich würde auf jeden Fall den Klappentext lesen wollen.»
«Das Cover wirkt auf mich blass, ich würde vom Gefühl her darauf schließen, dass die Geschichte eher langatmig ist.»

Aus einer sorgfältig formulierten Antwort geht eindeutig hervor, dass es sich um eine persönliche , subjektive Meinung und keinesfalls um einen allgemein gültigen Wert handelt.
Eine wertvolle Antwort beinhaltet eine klare Beschreibung meiner individuellen Reaktion. Sie dient dem Fragesteller. Er kann damit arbeiten. Er kann entscheiden, wie er mit der Aussage umgeht. Sie kann ihm helfen, besser zu werden.

Das gleiche gilt für das inhaltliche Feedback zu einem Buch.

Wertloses Feedback ist beispielsweise:

«Das war blöd.»
«Mieser Schreibstil»
«Langweilige Story»
«Toller Schreibstil.»
«Spannend bis zum Schluss.»
Die letzten beiden Antworten will der Autor sicher gerne hören, aber sie sind trotzdem kein konstruktives Feedback, was ihn weiterbringt.

Wertvolles Feedback hört sich beispielsweise so an:

«Am Anfang entstanden in meinem Kopf schnell Bilder und ich versank im Text. Später konnte ich die Handlungen des Protagonisten XYZ nicht mehr nachvollziehen und mein Interesse ließ nach.»

«Ich war sehr gespannt auf die Story, doch dann empfand ich das Lesen als anstrengend, weil die Sätze so oft lang und verschachtelt waren, dass ich sie zweimal lesen musste, um den Inhalt zu erfassen.»

«Als der Mord passierte, begann ich sofort, mitzuraten. Als dann aber im letzten Drittel ein blöder Zufall alles aufklärte, war ich irgendwie enttäuscht, weil ich mir alle Gedanken hätte sparen können.»

«Dieses Buch habe ich nicht bis zum Ende gelesen. In meinem Kopf entstanden keine Bilder, ich empfand die Dialoge als unecht und dann schweiften meine Gedanken immer ab.»

«Als ich zu lesen begann, war die Handlung gleich so lebendig, dass ich wie in einen Film hineingezogen wurde und nicht mehr mit dem Lesen aufhören wollte.»

«Die Handlung wurde für mich von Seite zu Seite spannender und war nicht vorhersehbar.»

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.